IJÁ Costa Sur: in 3 Schritten zu einer qualifizierten Arbeitsstelle (Guatemala)

 

Guatemala, das bevölkerungsreichste Land in Zentralamerika, hat mit einer sehr großen sozialen Ungleichheit zu kämpfen. Im Südwesten des Landes leben über 60% der Bevölkerung in Armut. Die Landwirtschaft ist dort der größte Wirtschaftszweig und wird von wenigen reichen Großgrundbesitzern dominiert.

 

Die Guatemalteken sind ein junges Volk. Fast 60% der Bevölkerung ist unter 25. Nur wenige Kinder besuchen nach der Grundschule noch eine weiterführende Schule. Es gibt zwar eine 9-jährige Schulpflicht, aber die wenigsten Familien können es sich leisten, ihre Kinder längerfristig zur Schule zu schicken. Stattdessen erwartet viele, insbesondere Mädchen, schon im Grundschulalter die Arbeitswelt. So kommt es vor, dass viele junge Menschen ohne Abschluss und Ausbildung im Leben stehen und keine feste Arbeit finden. Und genau hier möchte unser lokaler Partner, FUNDAP, mit seinem Programm IJÁ (im Maya-Dialekt „Samen“) in 3 Schritten ansetzen.

 

In einem Sensibilisierungsprogramm werden Jugendliche, insbesondere aus ländlichen Regionen, über unterschiedliche Berufsfelder informiert. In 4 Workshops á 4 Stunden entdecken die Jugendlichen die Bedeutung von Bildung und Ausbildung für ihre persönliche Entwicklung und lernen verschiedene Berufszweige, wie Elektriker, Koch, Friseur oder Schneiderei kennen. Nach jedem Workshop bekommen die Jugendlichen „Hausaufgaben“ auf, z.B. mit dem Schneider der Gemeinde über seinen Beruf zu sprechen. Dabei werden die Jugendlichen in Gruppen von 15-20 Teilnehmern aufgeteilt und über die ganze Programmdauer von jeweils einem Betreuer begleitet. Insgesamt werden 450 Jugendliche aus den drei Distrikten an dem kostenlosen Programm teilnehmen.  

 

Menschen im Alter von 18-40 Jahren (davon 85% Frauen) erhalten die Möglichkeit sich dem Programm CEDE (Centro de Desarrollo Empresarial) oder Centro Técnico (CT) anzuschließen. CEDE bietet in mobilen Ausbildungszentren in den ländlichen Regionen Retalhuleu, Suchitepéquez und Escuintla Grundkurse in den Bereichen Lebensmittel und Agroindustrie, Handarbeiten, Bäckerei/Konditorei, Friseurhandwerk und Schneiderei an. Zusätzlich belegen alle Teilnehmer ein betriebswirtschaftliches Modul, indem sie unternehmerische Kompetenzen erlangen. Zweimal im Semester finden zusätzlich zwei Messen statt, auf der regionale Unternehmer und die Auszubildenden aufeinandertreffen und Kontakte knüpfen können. Pro Semester und Gemeinde werden 40 TeilnehmerInnen ausgebildet, die in 4 Kurse aufgeteilt werden. Am Ende der 6-monatigen Ausbildung findet eine Abschlussprüfung statt und die TeilnehmerInnen bekommen nach erfolgreicher Prüfung ein offizielles Diplom ausgestellt. Die Ausbildungskurse sind vom Bildungsministerium zertifiziert. Um einen Nachfrageüberschuss zu vermeiden, kehren die CEDEs frühestens nach 5 Jahren in eine bereits besuchte Gemeinde zurück.

 

Das Programm Centro Técnico (CT) bietet 1-2 jährige Grund- und Spezialisierungskurse in Friseurhandwerk, Handarbeit, Konditorei, Bäckerei, Schnitt und Konfektion an. Dazu kommt ein betriebswirtschaftliches Modul, um die Absolventen auf eine Anstellung oder auf die Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit vorzubereiten. Nach den ersten 6 Monaten findet ein Wettbewerb statt, in dem die Teilnehmer ein von ihnen selbst entwickeltes Produkt vor einer Jury, bestehend aus Unternehmern der Region, vorstellen. Er dient als Gelegenheit, sich den Unternehmern vor Ort zu präsentieren. Alle Ausbildungsgänge enden mit einer Abschlussprüfung und sind vom Bildungsministerium offiziell anerkannt.

 

Um die Qualität und Relevanz dieser Ausbildungen zu steigern, wird FUNDAP eine Marktstudie realisieren. Diese Studie soll die Anforderungen des regionalen Arbeitsmarktes an potenzielle Fachkräfte und die angebotenen Ausbildungskurse in der Region widerspiegeln. Mit den Ergebnissen der Studie kann FUNDAP die Inhalte der aktuellen Ausbildungskurse analysieren und dadurch genauer auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes eingehen bzw. neue Ausbildungskurse entwickeln und anbieten. Diese Marktstudie und damit verbunden die Anpassung der Kursinhalte, die Entwicklung und Anerkennung der neuen Kurse, sowie die Ausbildung des Personals in den neuen Kursinhalten wird im Rahmen des Projektes finanziert.

 

Durch Gespräche mit IJÁ –Absolventen, die bereits eine selbstständige Tätigkeit aufgenommen haben oder gerne aufnehmen möchten, hat sich herauskristallisiert, dass ein auf KleinstunternehmerInnen zugeschnittenes Förderungsprogramm die Qualität ihrer Unternehmen deutlich erhöhen würde. Aus diesem Grund möchte FUNDAP im Rahmen dieses Projektes ein Programm zur Förderung von Kleinstunternehmertum  für seine Absolventen entwickeln. Dafür wurden 2 Schwerpunkte herausgearbeitet: Die KleinstunternehmerInnen werden in den ersten Schritten der Gründung (z.B. Produktentwicklung, Kostenkalkulation, etc.) persönlich beraten und können die Maschinen der Ausbildungsräume auch außerhalb der Unterrichtszeiten nutzen. Außerdem sollen regelmäßig ca. 15 Weiterbildungsmaßnahmen (Unternehmerworkshops) pro Jahr stattfinden. Sie werden von Projektverantwortlichen oder ausgewählten Referenten gehalten und decken Themen wie Unternehmertum, Marktanalyse, Produktentwicklung, etc. ab. In 5 weiteren Weiterbildungsseminaren pro Jahr sollen sich die Teilnehmer zusätzlich über ihre Erfahrungen austauschen können.