Stärkung der Sozialeinrichtungen und Qualifizierungsmaßnahmen zur Einkommenssteigerung für bedürftige Frauen im Distrikt Independencia (Lima, Peru)

 

Independencia gehört zu den ärmsten Distrikten im nördlichen Teil von Lima. 89% der Bevölkerung lebt an den Berghängen, wo die Infrastruktur (Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, etc.) stellenweise sehr defizitär ist. Die ärmeren Bevölkerungsgruppen wohnen an den steileren Hängen, meistens in Wohnungen aus Blech oder Pappe, die sehr oft nur noch zu Fuß erreichbar sind. Die Schulen in dieser Gegend sind defizitär ausgestattet, das Lehrpersonal schlecht ausgebildet. Um die wirtschaftliche Situation ihrer Familien etwas aufzubessern, eröffnen viele Frauen kleine Geschäfte, oft in den eigenen vier Wänden. Die meisten von ihnen haben die Schule sehr früh abgebrochen und verfügen kaum über betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Mikrokredite für kleine Anschaffungen erhalten sie nur von "privaten" Anbietern mit monatlichen Wucherzinsen von 15% bis 20%.

 

Um diesen Kleinstunternehmerinnen und ihren Familien zu helfen, wurde 2014/2015 ein erstes Projekt zusammen mit unserem lokalen Partner ADEFI ins Leben gerufen: 56 Kleinstunternehmerinnen, organisiert in Solidaritätsgruppen, erhielten Mikrodarlehen und Schulungen zur Verbesserung ihrer Geschäfte. Sie lernten u.a. ein Budget aufzustellen, Kosten besser einzuschätzen und Sparmöglichkeiten zu entdecken, ihre Produkte besser zu präsentieren und unter ihren potentiellen Kunden bekannter zu machen. Die Schulungen fanden in den Räumen der selbstverwalteten Volksküchen statt, einer in den 80er Jahren von Müttern initiierte und heute noch notwendige Initiative, um die Ernährung ihrer und anderen Familien zu sichern. Täglich bereiten 3 bis 4 Frauen Essen für 80 bis 100 Personen zu. Die Kosten pro Essensration betragen ca. 0,65€. Die meisten Familien unserer Zielgruppe sind Mitglied der Volksküchen. 

Das Nachfolgeprojekt leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituation von 200 Frauen (meist Kleinstunternehmerinnen) mit geringen finanziellen Ressourcen und ihren Familien: Durch praktische Qualifizierungskurse in Zubereitung von Lebensmitteln (z.B. peruanischen Dessert), Dienstleistungen (z.B. Maniküre oder Hautreinigung) und handwerklichen Fertigkeiten (z.B. Anfertigung von Portmonees und Taschen oder Kinderschminken) sind die Frauen in der Lage, ihre Geschäfte zu diversifizieren bzw. neue Geschäfte zu gründen und so zum Familieneinkommen beizutragen. z.B. kann eine Frau für eine Maniküre ca. 1,35 € pro Kunde verdienen (etwas mehr als 2 Essrationen). Der revolvierende Fonds aus dem Vorprojekt wird mit Projektmitteln erweitert, um 150 Kleinstunternehmerinnen den Zugang zu Schulungen und Mikrodarlehen zu ermöglichen. Darüber hinaus werden 3 Volksküchen, die als Schulungsraum dienen, renoviert und teilweise ausgestattet. Sie stehen der Gemeinde zur Verfügung.

 

Das Projekt hat eine Dauer von 2 Jahren (August 2016 – Juli 2018) und wird vom BMZ gefördert. Wie auch im Vorprojekt unterstützt die Georg Kraus Stiftung (Hagen) großzügig dieses Projekt.